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"Solange ich nur mich selbst gefährde, ist das in Ordnung."
#1
"Solange ich nur mich selbst gefährde, ist das in Ordnung."

Diesen Satz habe ich gerade in einem Artikel der faz über GoKarts mit Straßenzulassung gelesen. Diese Ansicht vertreten ja viele Fahrer mit "sportlichem Fahrstil", Extremsportler, Hobby-Speleologen und -Alpinisten und andere Zeitgenossen mit gefährlichen Hobbies, aber ist das wirklich so? Ist es für Menschen, die in einer Solidargemeinschaft wie der BRD leben wirklich in Ordnung, sich wissentlich über die Maßen selbst zu gefährden? Muss die Solidargemeinschaft wirlich das volle Risiko für die Folgen der "Selbstentfaltung" solcher Zeitgenossen tragen? Die Diskussion an sich ist ja nicht neu, es wurde schon das eine oder andere mal darüber Debattiert, ob beispielsweise Skifahrer und Reitsportler höhere Krankenkassenbeiträge zahlen müssen, oder Behandlungskosten die durch entsprechende Unfälle verursacht wurden komplett selbst finanzieren müssen.

Ich persönlich bin da sehr zwiegespalten. Einerseits darf die Freiheit des einzelnen nicht unnötig beschnitten werden, andererseits sollte der Einzelne ein Solidarisches System nicht willentlich über die Maßen belasten. Denkbar wäre eine zusätzliche Pflichtversicherung ähnlich der KFZ-Versicherung für Leute, die entsprechenden Hobbies nachgehen wollen, aber das wäre kaum kontrollierbar. Außerdem bleibt dann noch die beliebte Frage, wo man da die Grenzen ziehen will.
#2
Auf der einen Seite fänd ich eine persönliche Zusatzzahlung bei Extremsportarten oder ähnlich schon nicht verkehrt, andererseits könnte das im Extremfall dazu führen, dass die Menschen sich einfach vorsichtshalber möglichst wenig aktiv zeigen und dadurch dann letztlich wohl ihren Körper schädigen (Fettleibigkeit, Diabetes, Herzkrankheiten...)
Und wo würde man die Grenze ziehen? Ich glaube das ist einfach cnith machbar ohne zu viele Menschen damit zusätzlich zu belasten und beeinträchtigen. Also besser keine Zusatzzahlungen oder so. Wer gefährlichen Aktivitäten nachgeht, sollte aber meiner Meinung nach schon aus Eigennutz eine wirklich gute Krankenversicherung mit allen Zusatzleistungen die da passen, abschließen.
Und solange er tatsächlich nur sich selbst gefärdet ist das für mich in Ordnung. Leider denken Viele ja gar nicht darüber nach, dass sie durch z.B. "sportlichem Fahrstil" auch andere Lebewesen gefärden!
#3
Gerade erst wurde vom Bundesgerichtshof entschieden, dass eine Radfahrerin vollen Anspruch auf Schmerzensgeld bei einem fremdverschuldeten Unfall hat, auch wenn sie beim Unfall keinen Helm trug.

Da sind wir beim Grenzfall. Gerade Autofahrer fordern gerne eine Helmpflicht für Radfahrer, weil sie Radfahren ohne Helm für besonders gefährlich halten.
Millionen Menschen fahren täglich Fahrrad. Unfälle sind verhältnismäßig selten und wenn es schwere Unfälle gibt, sind die in in den meisten Fällen von Kfzführern verursacht.

Soviele Unfälle bei Extremsportarten gibt es gar nicht, gerade da sind die Menschen meist überaus vorsichtig, weil sie um die Gefahren wissen.
#4
Gerade mit meiner Freundin wäre eine Helmpflicht für Radfahrer problematisch:
Ich war letztens in Bremen "saufen" und wurde im Auto wieder zurück gebracht. Eines meiner Fahrräder stand aber noch von der Hintour am Bahnhof. Nun kam meine Freundin per Bahn, und ich bin mit einem anderen Fahrrad zum Bahnhof gefahren um sie abzuholen und mit ihr gemeinsam per Fahrrad wieder zurück zu fahren. Wie lange muss ich sowas im Vorraus planen, damit sie ggf. einen Helm dabei hat? Oder sollte es besser sogar eine Helmpflicht für Fußgänger geben, damit man ihn nicht vergessen kann?

Früher war ich regelmäßig reiten. Nun besitzt meine Freundin ein Pferd und hat mich einfach spontan mal eine Runde reiten lassen.
Hätte ich das vorher bei der Krankenversicherung anmelden sollen? Was wäre wenn wir an einem Sonntag nochmal auf die Idee kämen? Müssten wir dann die Krankenversicherung über eine "Notrufnummer" informieren oder uns online für 2 Stunden zusatzversichern? Was wäre wenn wir dann 2 1/2 Stunden reiten?
Das ist doch alles totaler Schwachsinn!

Nun stelle ich mir von, ich machte in den Alpen Urlaub und wandere an einer Straße entlang. Soweit nicht sonderlich gefährlich - also benötige ich keine Zusatzversicherung. Nun biege ich in einen Waldweg ab. Brauche ich dann eine? Brauche ich einen Baumexperten der vorher guckt ob die Bäume vom letzten Gewittersturm beschädigt wurden?
Naja, wenn ich den Weg weiter gehe und auf einen Trampelpfad abbiege der nun etwas steiler den Berg hinauf führt, brauche dann eine Zusatzversicherung für "Bergwanderer"? Oder brauche ich sie erst dann wenn ich Steigeisen brauche oder mich anseilen muss um weiter zu gehen?
Wer will da die Grenze ziehen? Sind nicht gerade dort diejenigen am gefährdetsten, die eine solche Ausrüstung eben nicht haben und ohne drüber nachzudenken weitergehen?
Wer will das kontrollieren?

Mit dem GoCard in Straßenverkehr sehe ih das anders, weil dort andere Verkehrsteilnehmer drauf Rücksicht nehmen müssen und das GoCard möglicherweise übersehen wird, wenn es direkt vor einem LKW auftaucht. Sollte es zu einem Unfall kommen, so kann sich der LKW-Fahrer dermaßen erschrecken, dass er schon allein dadurch andere gefährdet. Daher kann ich das Argument "wenn ich mit dem GoCard am Straßenverkehr teilnehme gefährde ich mich ja nur selbst" nicht nachvollziehen...
#5
Also bist du der Meinung, dass die Sozialgemeinschaft jegliche Selbstgefährdung und die Konsequenzen daraus Anstandslos zu (er-)tragen hat?
#6
Hi,
Ich denke da interpretierst du etwas in CDGs Post was so nicht da steht.
Er wollte mit den Beispielen wohl zeigen, wie schwer es ist eine sinnvolle Grenze zu ziehen.
Was du selbst in deinem ersten Posting ja schon gesagt hast.

Es gibt da so eine nette SF-Kurzgeschichte über eine rechtlich überregulierte Gesellschaft.
Da wird jeder Mensch von einem Anwalt/Notar begleitet. Jede lapidare (Inter)aktion wird vorab Vertraglich ausgehandelt, festgelegt und fixiert.
Die einzig sinnvolle Karriere ist eine juristische Laufbahn. War sehr witzig zu lesen, aber wollen wir so etwas wirklich erleben?
Stell dir nur mal vor du wolltest in so einer Gesellschaft auf den Freimarkt gehen und da Karussel fahren....

Viele Grüße
Ibis
#7
(23.07.2014, 14:48)ibis schrieb: Hi,
Ich denke da interpretierst du etwas in CDGs Post was so nicht da steht.

nein, ich über-interpetiere nur ein wenig sein "das ist doch alles Schwachsinn" und das tu ich vor allem deshalb, weil er zwar deutlich ausführt, wie schwer eine Umsetzung wäre und was er nicht für reine Selbstgefährdung hält, aber kein Wort zur eigentlichen Fragestellung verliert. Nochmal: hier im Thread soll es höchstens am Rande um eine mögliche Umsetzung gehen. Ich würde vor allem gerne eure Gedanken zum Thema Selbstgefährdung vs. gesellschaftliche / soziale Verantwortung lesen.

Da passt dann auch das Beispiel mit dem Karusell nicht so richtig ins Bild. Klar, es sind schon Menschen auf Karusells zu Schaden gekommen, aber die Gefahr ist doch überschaubar und vor allem ist auch die Frage der evtl. anfallenden Behandlungskosten sehr schnell geklärt: die Versicherung des Karusellbetreibers muss dafür gerade stehen, oder der Karusellbetreiber selbst, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass man ein Karusell in Deutschland ohne Versicherung nicht betreiben darf.
#8
Bei dieser Frage geht es auch nicht nur um die Solidargemeinschaft und wer am Ende dafür zahlt. Klar, spielt das mit rein, aber niemand ist wirklich gefährdet, weil er drei Cent mehr für nen fremden Fahrradunfall o.Ä. unwissend ausgibt.

Mir stellt sich eher die Frage, wann geht es nur "um mich selbst"? Einer klettert allein aufn Berg und stürzt ab. KLar, nur er selbst. Aber dann? Leute müssen ihn da rausholen ->sich in den selben Gefahrenbereich begeben. Ja, auch die tun es freiwillig, aber sie müssten da nicht sein.
Und außerdem... Niemand ist völlig allein, denn wenn was passiert, haben Familie und Freunde sich damit rumzuschlagen. Und je nachdem, wie gravierend die Sache ist, kann das ganz schön bitter enden. Ich werde keine tausendzeilige hypotetische Kausalkette forlmulieren, ich denke, ihr wisst auch so, worauf ich hinaus will.
#9
Das hatte ich ja auch schon angesprochen, dass es schwierig ist, zu unterscheiden wo man eher nur sich selbst gefärdet oder andere mit reinzieht.
ABER es gibt einfach Aktivitäten die riskanter sind als andere und einen größeren Schaden anrichten für den dann die Gemeinschaft aufkommen muss. Da vermutlich niemand will, dass wir alle nur noch in Watte gepackt und mit Helm und Anwalt rumlaufen, sollte man das Geld, welches man vermutlich für solche Unfälle ausgeben würde, lieber mal präventiv einsetzen und daran arbeiten, dass von Klein auf JEDER mölichst genau informiert und sensibilisiert wird. Wir leben in Gemeinschaften und ich hab immer das Gefühl, das geht heute totl unter. Jeder denkt an seinen eigenen Vorteil (Ich bin der Meinung man muss im Leben schon ein gewisses Maß an Egoismus haben aber darüber darf der Rest nicht verloren gehen!) und vielleicht noch an sein eigenes Risiko aber nicht weiter darüber hinaus.
Und da ich hier davon schreibe, dass wir in Gemeinschaften leben, muss man als Gemeinschaft wohl auch akzeptieren, in gewissem Maße für die anderen mit verantwortlich zu sein (eben finanziell). Allerdinsg besteht halt meiner Ansicht nach ein Ungleichgewicht und das macht unzufrieden. Wenn alle mehr Rücksicht nehmen würden, dürfte auch die finanzielle Unterstüzung weniger schwer fallen.
#10
Vielleicht wäre es sinnvoller, wie es zum Teil schon gemacht wird, anstatt höhere Prämien von Risikogruppen etc. zu fordern, die zu fördern, die diese Risiken minimieren.
Es gibt von vielen Krankenkassen ja Prämien für Sportkurse, Raucherentwöhnung, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen etc. pp.
Warum nicht auch Zuzahlungen zu einem Fahrradhelm oder für Verkehrschulungen? Fürs Sicherheitskurs und -seil des Bergsteigers?


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