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Spatzenfeder
#1
*
Hier sitze ich und schreibe die Geschichte meines Lebens. Meine altersfleckige Hand zittert leicht beim aufsetzen der Feder. Unter mir knarren die Dielen und der Lehnstuhl, leise aber beständig. Immer wieder einmal ein Ächzen. Genau wie ich, altert das Holz.
Mit müden Augen beobachte ich meine Hand beim schreiben, als wäre sie ein eigenständiges Wesen. Dabei sind die Geschichten doch in mir, nicht in meiner Hand. Flatternd schweifen meine Gedanken ab, wie die Flügel eines Vogels. Ich stelle mir vor, zu fliegen und lasse die Erinnerungen durch meinen Horizont schweifen wie einen Schwarm Spatzen.
Ihr Gefieder schillert in unendlich vielen Farben und ich wundere mich ob der vielen Erlebnisse, die mich formten, mich ausmachen und ein Teil von mir sind. Ein leichter Wind streicht über meine Augen, lässt mich klarer sehen als zuvor. Ich sehe den Spatz meiner Kindheit, wild und ungestüm, voller Energie und mit der Schönheit der Jugend gesegnet. Ich fühle in mir die kleine Glückseligkeit, die ich jedes mal empfand, wenn ich meine Hände in einen Sack Körner steckte, wenn ich an einem kalten Tag einmal heiße Schokolade trinken durfte und wenn mich im Sommer das noch junge Gras an den Füßen kitzelte.
Ich spüre das Prickeln, als ich meinen ersten Bonbon, meinen ersten Kuss, meinen ersten selbstgebackenen Kuchen schmeckte.
Mit hektisch schlagenden Flügeln umkreisen mich Ereignisse aus der Vergangenheit, manche ziehen etwas abseits ihre Bahnen, andere fliegen Saltos, taumeln, fangen sich wieder.
So viel erlebt. so viel GElebt. Nicht jede Erinnerung ist schön, manche haben zerfetztes Gefieder, ein paar wenige sogar gebrochene Flügel, sodass sie sich auf dem Boden winden müssen. Aber auch sie sind ein wichtiger Teil von mir und behutsam nehme ich sie vom Grund auf, halte sie bebend fest und akzeptiere sie als Mitglieder dieses Schwarms.
Kaum dass ich meinen Frieden mit ihnen geschlossen habe, wirbelt ein Meer aus bunten Federn um mich; Freude, Ausgelassenheit, Kindheitswünsche, Träume, alles ich; Gestern, heute, morgen.
Ich höre das platschen einer einzelnen Träne, die knapp unter dem letzten Buchstaben landet. Noch während ich dem Wasser beim verdunsten zusehe, höre ich draußen ein leises Tschilpen. Mit klopfendem Herzen, der Körper merkwürdig leicht und schwer zugleich, lege ich die Schreibfeder beiseite und gehe nachsehen.
Vor mir hockt ein Vogel mit grauem Gefieder und weisen Augen. Es ist ein Spatz der mir neugierig entgegenblickt. Und wie ich mich so nähere, breitet er die trotz allem noch immer starken Schwingen aus, wartet einen Moment, wie, um seine Kraft zu demonstrieren, bis er schließlich abhebt. Nun muss ich lächeln, denn auch in mir steckt noch Energie, weitere Geschichten zu erleben, auch wenn ich alt bin. Der Spatz schwebt einen Augenblick länger als nötig vor meiner ausgestreckten Hand und dreht dann bei, sein Leben weiterzuleben.
Mein Herz wird leicht und ich beschließe, mir morgen einen heiße Schokolade zu machen, den Kuchen rauszuholen und danach mit meiner Familie raus zu gehen um ihnen von meinen Geschichten zu erzählen während wir das Gras unter unseren Füßen spüren.
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